Perispasmos eine philosophische Fiktion

Perispasmos-A2: Entropie und Politik II: Entropieschutz für eine Herrschaft

Voraussichtliche Lesedauer: 2 Minute(n) …

Dieser Abschnitt stammt mit nur kleinen Abweichungen vollkommen von einem anonymen Vordenker des Perispasmos von 5.803 NZ:

Informationsstrukturen haben ein Stück weit eine gute Stabilität. Doch sie haben auch Grenzen. Die Oberfläche eines Kalksteins, so glatt sie auch mal gewesen sein mag, sie wird das Opfer von Erosion. Ein Hang hat, abhängig vom Winkel und dem Boden, immer das Risiko abzurutschen. Und auch eine Gesellschaft kann sich gewissen Dynamiken nicht entziehen. Diese Dynamiken können von außen kommen oder von innen, doch sie haben das Potenzial Gesellschafts- und mehr noch Herrschaftsstrukturen aufzulösen.

Erosion, Verfall, Entropie oder, wie Eins exogene Prozesse hier auch nennen mag, sie zerstören Strukturen. Das ist nicht weiter schlimm[1], doch es gibt auch „Dinge“, die stabilisieren. Vegetation ist der beste Erosionsschutz in der Welt des Bodens und Religion kann ein unglaublich stabilisierender Faktor in Gesellschaften sein. Die besten Untertanen sind schließlich die, die postmortale Bestrafung und Belohnung erwarten und ihr ganzes diesseitige Leben dem jenseitigen Leben opfern und dafür diesseitigen Herrscher gehorchen.

Wie machen Baum und Religionen das? Ganz simpel: Überall dort, wo Strukturen sind, also Energie bzw. Informationen strukturiert sind, also in eine Form gepackt sind, muss zur Aufrechterhaltung der Ordnung Energie investiert werden. Will ein Mensch bzw. eine Behörde solche Strukturen, beispielsweise in Dämmen erhalten, so hilft es nicht, wenn es einfach zusieht, wie ein 10 m hoher und 100 m mächtiger Damm steht. Es muss ihn von Zeit zu Zeit erneuern. Will ein Herrscher oder ein Herrscheroligopol eine Machtstruktur erhalten, so nützt es auch wenig, wenn sie Prozesse in der Gesellschaft bloß beobachten. Es muss Energie investiert werden. Das macht der Baum zum Beispiel dadurch, dass er Energie mittels Fotosynthese aufnimmt und seine eigenen Strukturen, wie zum Beispiel Wurzelwerk, aktiv erhält oder ausbaut. Würde er über eine längere Zeit keine Energie mehr bekommen, würde er absterben und auch seine Wurzeln wären bald nicht mehr kräftig. Mit Wurzeln bindet ein Baum allerdings auch den Boden unter sich.

Eine erfolgreiche Religion nimmt auch Energie, Negentropie bzw. Entropiearmut auf: Das können Humankapital oder Steuern sein – oder weiß der Teufel was. Die steckt die Religion in die Aufrechterhaltung ihrer Strukturen, in die sie ihre Mitglieder bindet. Die Mitglieder sind Teil der Gesellschaft, die dann ein Stück weit an Dynamik verliert. Das gilt vor allem für das Christentum im europäischen Mittelalter. Karl Marx nannte Religion das Opium des Volkes. Es hat beruhigt und die Menschen zufriedengestellt mit ihrer Stellung im Herrschaftssystem. Die Religion ist die Vegetation am Machtgefälle in Herrschaftssystemen.

Da stellt sich natürlich die Frage, was das heute ist? Eine These: Mensch steckt Energie mittels Transferzahlungen von oben nach unten (normalerweise würde der Kapitalismus oben mehr akkumulieren) und steckt damit Energie in die Struktur. Gleichzeitig wird Potenzial der Menschen, sich emotional und dynamisch zu verhalten gesteuert – in gewünschte Richtungen. Das geschieht dadurch, dass Medien, die auf Massen wirken, beeinflusst werden. Wie werden diese beeinflusst? Ohne dass sie es merken. Sie wollen selbst auch Macht und teilhaben, also sind sie nah an der Macht der Herrschenden – auch memetisch. Falls die Medienkonzerne nicht zusammenbrechen wollen, oder Chefredakteure nicht kognitive Dissonanzen erleiden wollen, sind sie sauber auf Linie.

Übrigens ist die Vegetation in der Dynamik der Wirtschaft so etwas wie Markenbindung.


[1] Außer vielleicht aus der Perspektive eines Dorfbewohners in einem Dorf an einem Hang, der nicht ganz stabil ist, oder aus der Perspektive eines Herrschers, dessen Untergebenen an den bestehenden Herrschaftsstrukturen wackeln.

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